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Sengled Snap im Test: Die Überwachungskamera in der LED-Birne
(Bild: Jake Pietras)
Review

Sengled Snap im Test: Die Überwachungskamera in der LED-Birne

von 30. März 2017

Sengled hat es sich als Smart Lighting-Anbieter zur Aufgabe gemacht, schnöde Leuchtmittel mit cleveren Features zu ergänzen. Die gehen über das Ein- und Ausschalten per App hinaus und münden bei der Sengled Snap in einer Überwachungskamera in einer Flutlicht-Birne. Wir haben uns von der Snap beobachten lassen und sagen euch im Test, wie gut sie funktioniert.

Sengled Snap: LED-Birne und Überwachungskamera

Wie auch schon die Sengled Pulse fällt auch die Snap durch ihr überraschend hohes Gewicht auf. Rund 600 Gramm wiegt die Leuchte und ist aufgrund ihrer „Lampenfläche“ von rund 120 Millimetern auch optisch ein echter Brocken. Dafür steckt aber auch eine Reihe Technik unter dem Gehäuse.

Die Sengled Snap kann sowohl drinnen als auch draussen genutzt werden, etwas schützen solltet ihr sie aber doch

Zur außerordentlich großen Überraschung besitzt die Snap eine LED-Leuchte mit 850 Lumen Leuchtkraft bei 14 Watt Verbrauch und einer angenehm warmweißen Farbtemperatur von 3000 Kelvin. Dazu gesellt sich eine mit Full HD auflösende Kamera, die je nach Lichtverhältnis mit bis zu 24 Bildern pro Sekunde aufzeichnet. Sprich: Ist das Licht gut, streamt die Snap eine fast flüssige Aufnahme, bei schwächerem Licht geht dieser Wert auch schon mal auf zehn Bilder pro Sekunde runter.

Nachts sind alle überwachten Katzen grau

Das kann der Fall sein, wenn die Snap bei Dämmerung ohne Beleuchtung durch die verbaute LED aufnimmt oder im Nachtmodus. Dank der verbauten Nachtsichtkamera und einem selbst erzeugten, schwachen Licht filmt die Snap nämlich auch im Dunkeln und das erstaunlich gut. Auf einer Höhe von zwei Metern in meinem Flur hängend ist ein Bereich von rund einem Quadratmeter darunter stark ausgeleuchtet. Graduell nach außen hin wird es dann etwas dunkler. Schön ist in beiden Modi auch der Winkel der Linse von 140 Grad.

Die Kamera filmt dank selbst erzeugtem, schwachen Licht auch bei Nacht

Im Außeneinsatz sind die Ergebnisse nachts ebenfalls gut brauchbar. Trotz IP54-Zertifizierung weiss ich aber nicht, ob ich die Snap ohne zusätzlichen Schutz Regen aussetzen würde. IP54 soll zwar vor Spritzwasser schützen, ausprobiert habe ich das aber nicht. Unter einem Lampenschirm würde ich die Snap aber ohne große Sorgen einsetzen.

Einfache Inbetriebnahme und App

Das ist auch der große Vorteil der Snap, denn im Gegensatz zu normalen Überwachungskameras ist keine Verkabelung oder Montage notwendig. Einfach in eine standardmäßige E27-Fassung schrauben, mit dem WLAN verbinden und über die App konfigurieren. Von jetzt an habt ihr weltweit Zugriff auf die Aufnahmen der Snap, wenn auch nur über Mobilgeräte und nicht im Web.

Die app zeigt Liveaufnahmen (links) und je nach Speicherabo Archivaufnahmen (rechts)

Schön ist, dass die Snap dank einem Bewegungsmelder Videos aufzeichnet, wenn Bewegung im Bild ist. Zum Glück nur bei merklichen Bewegungen, was heißt, dass die Snap eine oder zwei vorbeihuschende Katzen im Garten erkennt, ein paar umherfliegende Blätter aber zum Glück nicht.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann bestimmte Zonen einstellen, die die Snap überwachen und erst dann aufzeichnet. Das spart eine Menge Zeit, wenn man sich die Aufnahmen nachher in der App ansieht.

Fehlende Features und Mankos

Die App ist sehr übersichtlich und aufgeräumt und ihr könnt hier das Licht steuern, dimmen oder nach einem bestimmten Zeitplan Ein- oder Ausschalten lassen. Das macht natürlich im Outdoor-Einsatz am meisten Sinn. Wünschenswert wäre aber noch gewesen, wenn die Snap nach eingestelltem Zeitplan angeht, falls Bewegung im Bild ist. Quasi die Funktion, die jede Lampe mit Bewegungsmelder hat. Etwas unverständlich warum Sengled das Feature nicht verbaut oder per Softwareupdate nachgeschoben hat.

Leider fehlt die Funktion: „Licht geht an, wenn der Sensor Bewegungen registriert“

Was außerdem ärgerlich ist, ist die Tatsache, dass die Aufnahmen nur in Sengleds Cloud gespeichert werden können. Beim Kauf ist ein kostenloses Abo dabei für 90 Tage dabei, das Videos 24 Stunden lang verfügbar macht. Danach wird ein kostenpflichtiges Paket notwendig. Das kostet für 24-stündige Speicherung 3,50 Euro im Monat, für siebentägige Aufzeichnung 6,50 Euro und für 30 Tage 18,50 Euro.

Videoaufzeichnung im Cloud-Abo

Ich will nicht darüber meckern, dass sich Sengled die notwendigen Serverkosten bezahlen lässt, sondern vielmehr, dass es keine Möglichkeit zur privaten Speicherung beispielsweise auf einem NAS gibt. Wer also sehen will, wer in der Nacht den Garten umgegraben hat, hat besser ein Abo.

Die Tarifoptionen und Features für den Cloudspeicher (Bild: Sengled)

Ansonsten gibt es nämlich nur Echtzeitaufnahmen, die den Begriff „Echtzeit“ ein wenig strapazieren: Man merkt teils 10 Sekunden oder längere Verzögerungen, da die Daten natürlich erstmal an Sengleds Cloudserver und dann wieder zurück gestreamt werden müssen. Je nach Verbindung dauert das merklich lange.

Dafür zeichnet die Snap aber auch Ton auf und hat einen Lautsprecher verbaut, mit dem man im Zweifel auch mal Nachbarskatzen erschrecken kann, die an fremden Futternäpfen naschen. Oder bei weniger persönlichen Szenarien Einbrecher oder sonstige Unerwünschtheiten.

Bewertung
Unsere Bewertung
Technik
9.0
Konnektivität
8.5
Design
8.0
Ton
7.5
Kamera
9.0
Ideenreichtum
8.5
Preis-Leistungsverhältnis
6.0
Fazit

Von der Idee her wäre die Snap eine gute Alternative zu anderen Überwachungskameras, da sie sehr einfach per Lampenfassung installiert werden kann - wenn sie denn aufgrund ihrer Größe passt. Den kostenpflichtigen Cloudspeicher für Videos vorausgesetzt ist das System nämlich durchaus gut brauchbar.

Keine kostenlose Variante anzubieten, weder auf einem privaten Server, noch in der Cloud ist aber leider ein echtes No-Go. Zumal ich für rund 200 Euro auch fast eine dedizierte Überwachungskamera wie die Arlo von Netgear bekomme, die kostenlos bis zu einer Woche Aufnahmen speichert. Ohne Abo sehe ich eben nur "Echtzeitaufnahmen" mit der Snap.

Wer das Feature aber nicht braucht und die Lampe beispielsweise nur zur direkten Überwachung oder vor der Haustüre nutzen will, bekommt zumindest eine gute Leuchte mit anständiger Videoqualität und Lautsprecher.

6.5
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Über den Autor
Jake Pietras

Jake ist gelernter Web-Developer, studierter Technikjournalist und autodidaktischer Geek. Er interessiert sich für digitale Kultur, lebt in Düsseldorf und liebt den Austausch mit Menschen.