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Im Test: Bragi The Headphone
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Im Test: Bragi The Headphone

von 24. Februar 2017

Immer mehr Hersteller lassen das Kabel zur Audioquelle verschwinden und setzen auf drahtlosen Sound bei ihren Kopfhörern. Bragi geht mit The Headphone noch weiter und hat auch das Kabel zwischen den In-Ears verschwinden lassen. Wie gut klingen die „Truly Wireless Earphones“?

The Headphone: Die kabellose Kopfhörer-Zukunft

Nach einer außerordentlich erfolgreichen Kickstarter Kampagne, hat Bragi vor einigen Jahren richtig Furore gemacht. Mit The Dash sollten die ersten, echten kabellosen Kopfhörer kommen, die vor Features nur so strotzten: Gestensteuerung, Aktivitätstracker, Herzfrequenzmessung, Passive Noise Isolation und Wasserdichte bis ein Meter waren nur einige. Das Endprodukt stellte sich dann etwas durchwachsen dar.

Vor allem Verbindungsprobleme zwischen den beiden Kopfhörern wurden oft angemäkelt und generell machte The Dash den Eindruck, einfach zu viel zu wollen. Davon leider nichts wirklich gut. Mit ihrem zweiten, generisch „The Headphone“ genannten Kopfhörer hat Bragi jetzt eine abgespeckte Variante herausgebracht. Abgespeckt sowohl bei den Features, als auch beim Preis.

Der liegt im Gegensatz zu den etwas happigen rund 300 Euro von The Dash nun bei 170 Euro. Also in etwa so teuer wie Apples AirPods, die ebenfalls in die Kategorie „true wireless“ Kopfhörer fallen und nicht noch miteinander verbunden sind, wie die Jaybird Freedom.

Dass Bragi sich bei The Headphone eher auf die klassischen Features von Kopfhörern beschränkt hat, ist in diesem Fall eher ein Pluspunkt als ein Manko. Der Formfaktor von The Dash ist geblieben und The Headphone schmiegt sich wirklich angenehmer in die Ohrmuschel, als man das vielleicht erwarten würde. Zumindest bei meinen Lauschern hat alles gepasst. Ich hatte selbst beim Radfahren oder Sport niemals den Eindruck, dass die In-Ears locker sitzen oder gleich rausfallen. Zudem sind sie wirklich sehr leicht.

Etwas ungewohnte Bedienung

Bewährt haben sich hier vor allem die FitTips genannten Silikonstöpsel, die in drei Größen beiliegen. Die weichere Memory Foam-ähnliche Variante der Comply Tips sitzt etwas loser und lässt auch ein wenig mehr Außengeräusche in den Hörgang. Hat man The Headphone im Ohr, sorgt das von Bragi „Passive Noise Isolation“ genannte Feature dafür, dass die Soundkulisse der Außenwelt draussen bleibt.

Drückt ihr eine Sekunde auf die + Taste, aktiviert The Headphone „Audio Transparency“ und läßt über das eingebaute Headset wieder Außengeräusche durch. Im Grunde also das Gegenteil von Noise Cancelling, das oft bei Over-Ear-Kopfhörern eingebaut ist. Mit der Taste deaktiviert ihr die Funktion wieder. Der dritte Button dient zum Ein- und Ausschalten, Abspielen, vor- und zurück springen sowie zur Annahme von Anrufen. Die Buttons befinden sich auf dem rechten Hörer und sind anfangs etwas gewöhnungsbedürftig.

Die Bedienung erfolgt über die drei Buttons am rechten Kopfhörer

Während ihr den große Bruder The Dash per Gestensteuerung bedient, drückt ihr bei The Headphone erhabene Knöpfe – und somit auch immer den rechten Hörer tiefer ins Ohr. Das ist im besten Fall leicht irritierend. Bei Menschen mit sensiblen Gehörgang kann es aber ein wenig unangenehm werden, wenn der Lautsprecher bei jedem Skip weiter ins Ohr „stößt“. Drückt ihr mit dem Fingernagel auf die Buttons, ist das Problem ein geringeres. Ungewohnt ist es aber dennoch. Vermutlich hat Bragi deshalb beim Vorgänger auch die Gestensteuerung verbaut und verzichtet jetzt zugunsten des Preises darauf.

Guter Klang und Komfort

Klanglich liefert The Headphone überraschend guten Klang, viel mehr als man von In-Ears dieser Größe erwarten würde. Der Dynamikumfang ist ordentlich und die Bässe tief und sauber ohne matschig zu klingen, wie das so oft bei In-Ears ist. The Headphone umschifft die Probleme blechern leer oder und bassig dumpf zu klingen sehr gut und auch die Höhen und Mitten klingen recht klar. Es gibt In-Ears, die das noch ein wenig besser machen, aber dafür eben nicht die Freiheit von kompletter Kabelfreiheit mitbringen. Verglichen mit Apples AirPods macht The Headphone auf jeden Fall eine bessere Figur.

Das Ladecase schützt eure Bragi The Headphone beim Transport und wird per Micro USB geladen

Hatte man The Headphone nämlich mal ein paar Tage im Ohr, will man im Grunde keine normalen In-Ears mehr. Nichts baumelt am Nacken und man fühlt sich tatsächlich freier beim Musik hören. Teilweise so sehr, dass man den The Headphone fast vergisst und erst nach rund fünfeinhalb bis sechs Stunden merkt, dass der Akku leer ist. Den ladet ihr im mitgelieferte Case auf, das die Kopfhörer magnetisch festhält und für unterwegs sehr praktisch ist. Es ist komplett aus Hartplastik und schützt so auch vor harten Stößen. Dafür hat es aber keinen Akku, mit dem ihr The Headphone unterwegs laden könntet.

Insgesamt zeigt Bragi mit The Headphone wie gut komplett kabellose Bluetooth-Kopfhörer sein können. Der Klang ist sehr ordentlich und die Verarbeitung einwandfrei. Im Gegensatz zum teureren Vorgänger ist die Verbindung zwischen den Kopfhörern nun tadellos. Zu weit solltet ihr euch aber nicht vom Smartphone entfernen. In der Wohnung ist je nach Wandanzahl und -dicke nämlich nach etwa ein paar Metern Schluß.

Bewertung
Unsere Bewertung
Akkulaufzeit
8.0
Ton
8.5
Zubehör
10
Wow-Faktor
9.5
Ideenreichtum
9.0
Preis
8.5
Preis-Leistungsverhältnis
9.0
Fazit

Gewöhnungsbedürftig und für einige eventuell ein Argument gegen The Headphone könnte die Bedienung sein. Das Reindrücken ins Ohr ist nicht jedermanns Sache. Wer das nicht als störend empfindet, bekommt wirklich sehr angenehm sitzende und wasserabweisende In-Ears. Und die möchte man aufgrund des Komforts und der Kabelfreiheit fast nicht mehr aus dem Ohr nehmen. Die Abspeckkur hat Bragis zweiten Kopfhörern wirklich gut getan und so bekommt ihr ordentliche In-Ears der höheren Preiskategorie, die ihr Geld aber auch wert sind.

8.8
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Über den Autor
Jake Pietras

Jake ist gelernter Web-Developer, studierter Technikjournalist und autodidaktischer Geek. Er interessiert sich für digitale Kultur, lebt in Düsseldorf und liebt den Austausch mit Menschen.