Apps & Games
Du liest gerade
Review: Reigns – Das königliche Kartenspiel
Review

Review: Reigns – Das königliche Kartenspiel

von 17. August 2016

Vor knapp einer Woche ist das digitale Kartenspiel ‚Reigns‘ für iOS, Android und für den PC erschienen. Ob sich der Kauf des Minispiels lohnt, erfahrt ihr nach dem Break.

Nerdbench bedankt sich bei Devolver Digital für die Bereitstellung von Reigns

Das Spiel

Als frischer Regent eines nicht näher benanntes Königreiches obliegt es dem Spieler im Jahre 500, durch königliche Entscheidungen über die Zukunft des Reiches und vordergründig damit auch über die eigene Regentschaft zu bestimmen. Ziel des Spiels ist es, solange wie möglich zu regieren. Für eine erfolgreiche und lange Regentschaft sind vier Parameter entscheidend: Kirche, Bevölkerung, Militär und Finanzen. Ist einer oder mehrerer dieser Parameter im Keller oder etwa zu stark, wird ein kreativer Weg gefunden, weshalb der Spieler abdanken muss (also stirbt). Um lange zu regieren, muss also ein gesundes Gleichgewicht zwischen diesen Parametern beibehalten werden. Die Parameter ändern sich mit jeder Entscheidung, die getroffen wird, wobei zwar Hinweise dazu gegeben werden, welche Parameter sich verändern würden, jedoch nicht in welche Richtung und wie stark (außer, ihr bekommt einen speziellen Bonus). Stirbt der König, spielt man als sein Thronfolger weiter, sodass eine schier endlose Timeline königlichen Blutes erschaffen wird.

Die Spielmechanik

Der Spieler bekommt immer eine Karte präsentiert, die eine Information eines Charakters zeigt. Nun muss man sich dazu positionieren, in aller Regel, in dem man zustimmt oder ablehnt. Die Steuerung ist intuitiv – am PC zieht man die Karte mit der Maus nach links oder rechts, auf dem Smartphone muss man in die entsprechende Richtung wischen. Das bringt ordentlich Tempo ins Spiel und macht auch Spaß. Mit jeder Karte vergeht ein Jahr. Im Leaderboard und in der Timeline werden die Jahre der Regentschaften festgehalten. Die Karten sind Zentrum und Highlight von Reigns – und lustig obendrein. Es kommt allerlei Merkwürdiges auf den Spieler zu, wenn er in die Rolle des Königs schlüpft: Bauern, Magier, falsche Propheten, inkompetente Ärzte und natürlich auch der Teufel selbst formulieren Bitten, denen man nachkommen kann. Doch damit nicht genug, auch eine mehr oder weniger aufgeschwatzte Heirat, Kriege und Kreuzzüge sind Teil des Spiels und können so manche Regentschaft sogar überdauern. Wie eine Dynastie endet, hängt auch davon ab, wen man sich zum Feind und wen zum Freund gemacht hat.

Bei Sonderereignissen, wie z.B. einem Kreuzzug oder einem Dungeon (übrigens mit einer überragender Fusion aus Dungeon Crawler und Kartenspiel), gibt es ein kleines Tutorial. Blöd nur, dass dies meist genau dann auftaucht, wenn auch die Zeit im Hintergrund läuft. Während man das Tutorial nämlich liest, kann einem tatsächlich die Zeit ausgehen, sodass man beim ersten Mal kaum eine Chance hat, die Aufgabe zu meistern. Das hätte man anders lösen müssen, ist aber auch der einzige auffällige Fehler in der Spielmechanik. Das Spiel erweitert sich immer weiter, wenn bestimmte Erfolge erspielt werden. ‚Triff den falschen Propheten‘, ‚Gewinne ein Duell‘ oder ‚Beende einen Kreuzzug‘ sind Beispiele für solche Erfolge. Schafft man einen Erfolg, werden neue Karten ins Deck gemischt, die neue Ereignisse und Charaktere freispielen. Je länger man Reigns also spielt, desto komplexer wird das Spiel. Das ist gut, um schnell ins Spiel zu kommen und sorgt dafür, dass man nicht von Beginn an überfordert wird. Alle Erfolge, Todesarten und andere Statistiken können jederzeit im Menü eingesehen werden.

Der Spielspaß

Reigns lebt von seinem Humor und der Abwechslung. Die Vielfalt an Karten trägt maßgeblich dazu bei, dass keine Langeweile aufkommt. Am Smartphone macht es noch etwas mehr Spaß als am PC, denn die Wischbewegung ist mit dem Finger intuitiver als mit der Maus. Dadurch, dass mit der Zeit immer wieder neue Ereignisse und Charaktere eingeführt werden, kommt zusätzliche Abwechslung rein. Außerdem vergehen irgendwann nicht mehr nur Jahre, sondern ganze Jahrhunderte, was neue Herausforderungen ins Spiel bringt: Eine Hexenjagd oder gar die Aufklärung. Das Design der Karten ist witzig und nimm zusätzlich an Witz zu, wenn bestimmte Ereignisse geschehen (z.B. wenn der blaue Pilz gegessen wird, oder man alt wird). Wenn man von all diesen Spielaspekten liest, ohne Spielszenen gesehen zu haben, wird man sich wahrscheinlich über das Genre ‚Kartenspiel‘ wundern. Das liegt daran, dass Reigns doch mehr ist, als nur ein digitales Kartenspiel. Dass die Auswirkungen der eigenen Entscheidungen nicht direkt vorhersehbar sind, bringt einen Schuss Zufall ins Spiel, der Reigns gut tut. An einigen Stellen missfällt das allerdings etwas, da manchmal beide Entscheidungsalternativen sinnlos erscheinen. Dies ist jedoch eher die Ausnahme, als die Regel.

Das Fazit

Reigns ist das perfekte Smartphone-Spiel. Es kombiniert intuitives Gameplay mit langfristiger Spielmotivation, ist jedoch auch in kurzen Runden zwischendurch spielbar. Durch den Zufallsaspekt ist keine Regentschaft wie die andere. Es verleitet zwar dazu, dass man ständig weiterspielen möchte, kann aber auch jederzeit unterbrochen werden, weil eine durchschnittliche Regentschaft nur wenige Minuten dauert. Je länger man spielt, desto schneller wischt der Finger nach links oder rechts, und man bekommt allmählich ein Gefühl dafür, wie die vier Kernparameter sich verhalten. Reigns ist ein lustiges, unterhaltsames und abwechslungsreiches Spiel, dass die Genres Adventure und Kartenspiel in innovativer und optimaler Weise zusammenbringt.

Positives

- Abwechslungsreiche Ereignisse
- Witziges Design
- Intuitives Gameplay
- Guter Preis

Negatives

- Manche Entscheidungen sind sinnlos
- Tutorials verhindert Spielfluss

Bewertung
Unsere Bewertung
Design
9.0
Ton
6.0
Spielspaß
8.0
Schwierigkeit
6.5
Humor
9.0
Fazit

Das beste digitale Kartenspiel, das wir kennen!

7.6
Unsere Bewertung
You have rated this
Was denkst du?
Grandios
20%
Genial!
60%
Es ist Liebe
20%
Kann man machen
0%
Wos?
0%
Nope.
0%
Über den Autor
Christian Toth

Ist sich nicht zu fein, um zu zocken. Im Gegenteil – zieht sich dafür sogar fein an.