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Im Test: Edelkrone Pocket Skater 2

Im Test: Edelkrone Pocket Skater 2

von Timm Mohn16. April 2016

Die Vernunft sagt nein, das Gadget-Herz ja: so oder so ähnlich lässt sich bei mir die Anschaffung des Pocket Skater 2 beschreiben. Der teure – aber unheimlich gut in Szene gesetzte – Kamera Dolly aus dem Hause Edelkrone verspricht schöne Perspektiven, Aufnahmen und einen Mehrwert für die Videos. Ob er diese Versprechen halten kann, erfahrt ihr nach dem Break.

Heaven is a halfpipe

Der Pocket Skater 2 kommt in einer Edelkrone-typischen weißen OVP daher. Im Inneren befindet sich zum einen der Skater, sowie ein kleines Infoheft, welches auf die Video-Anleitungen zu Edelkrone Produkten hinweist. Mit knapp 10 Minuten ist es deutlich länger als das Video vom FlexTilt Head. Dazu gibt es noch einen Allen Key, um den Widerstand des FlexTilt Heads einzustellen.

Mit drei Rädern um die Welt

Auf der Oberseite befindet sich ein integrierter FlexTilt Head, um die Kamera in verschiedenen Positionen auf dem Skater zu befestigen und so aufregende Perspektiven zu erschaffen. Um die Kamera zu befestigen, steht eine 1/4 Schraube zur Verfügung. Kameras, die nur einen 3/8er Port haben, müssen eventuell über einen Adapter angeschlossen werden. Die Panasonic GH4 passt perfekt auf den Dolly.

Am Boden befinden sich drei Räder, die je nach Wunsch des Kameramanns positioniert werden können, um einen bestimmten Weg einzuschlagen (beispielsweise gerade aus, um die Kurve etc.).

Eine Münze im Geldbeutel schadet nicht

An jeder Seite des Pocket Skater sind weiße Linien aufgezeichnet, die anzeigen, wo die Räder ausgeklappt werden können. Nach dem man die drei Räder zur Seite gedreht hat, können die Rollen selbst nach unten geklappt werden. Kaum ist dies geschehen, ist der Pocket Skater 2 auch schon einsatzbereit. Der FlexTilt Head auf dem Skater ähnelt dem Stand Alone Produkt, er ist allerdings auf den Skater in Sachen Orientierung angepasst. Um die Kamera auf dem Dolly zu befestigen, klappt man den Head komplett nach oben auf. Auf der Unterseite des Heads kann mit Hilfe einer Münze die Kamera an der gewünschten Position auf dem Skater festgezogen werden. Edelkrone empfiehlt darauf zu achten, dass die Kamera genau in der Mitte der beiden Fronträder positioniert ist, um das bestmögliche Ergebnis beim Filmen zu erzeugen. Ein Blick auf die Unterseite des Gerätes kann hier hilfreich sein. Dies gilt auch, wenn man ein Smartphone auf dem Dolly anbringen möchte.

Wer mit einem iPhone oder ähnliches filmt, kann den Pocket Skater auch nur sehr sachte auseinander klappen. Auch in diesem Modus kann man die Räder und somit den Film-Modi anpassen, um schöne Fahrten zu erschaffen.

Übung macht den Meister

Um nun mit dem Pocket Skater 2 loszulegen, müssen die Räder in die gewünschte Position gebracht werden. Wichtig ist, dass nur die beiden vorderen Räder in ihrer Ausrichtung verändert werden, das Rad auf der Rückseite bleibt stets in seiner Position. Der Nutzer sollte darauf achten, dass die beiden Vorderräder in möglichst ähnlichen Winkeln nach außen oder innen stehen, um unschöne Fahrfehler zu vermeiden. Edelkrone hat als Orientierung hierfür kleine Linien an der Seite der Vorderräder angebracht, die dem Nutzer eine zusätzliche Vorstellung von der Position der Räder geben können.

Biegt man die Räder leicht nach innen, entsteht eine nach innen gerichtete Kurve, die sich dafür eignet, um Produkte oder zum Beispiel das nächste Instagram-Essen zu umkreisen. Öffnet man die Räder nach außen, lässt sich eine Kurve um die eigene Achse generieren. Hier sind Kameraführungen wie auf einem Stativ möglich.

Während der Fahrt sollte das Gewicht der Kamera stets auf dem Skater liegen, um Stürze des Skaters zu vermeiden. Es empfiehlt sich also, die Stabilität der aufzustellenden Pocket Skater Kombination zu testen, bevor man seine Kamera beschädigt. Hierfür am besten die Hand unter das Objektiv halten und den Skater loslassen. Steht der Pocket Skater 2 von allein, hat man das Gewicht richtig ausgelagert.

Der FlexTilt Head auf der Oberseite kann aber auch zur Seite gedreht werden. So entstehen neue Perspektiven und der Nutzer hat mehr Möglichkeiten, die Kamera auf dem Pocket Skater 2 fahren zu lassen. Bei dieser Anwendung ist es aber auch sehr wichtig, auf das Gewicht der Kamera zu achten, damit der Skater nicht nach vorne kippt.

Je nach dem, wie schwer die zu verwendende Kamera ist, kann man den Widerstand des TiltHeads lockern oder fester ziehen. Im Falle der Panasonic GH4 lasse ich alle Widerstände im Auslieferungszustand, bei einer GoPro kann man die Schrauben allerdings stark lockern und ist flexibler beim arrangieren des Heads. Wer unterwegs am Widerstand arbeiten möchte (beispielsweise weil jener beim letzten Shoot gelockert wurde und nun festgezogen werden muss), sollte auf jeden Fall den Allen Key beim Shoot dabei haben. Andernfalls könnte man schnell vor einem Problem stehen.  Edelkrone gibt an, dass der einmal eingestellte Widerstand lange bestehen bleiben wird und man selten nachjustieren wird.

Der Snack genau im Auge

Wie oben bereits ausgeführt, sollten für eine Fahrt um ein Objekt die Räder leicht nach Innen gedreht werden. Denkt man sich Pfeile an den äußeren Seiten der Räder sollte an dem Punkt, an dem beide zusammengehen, das zu filmende Objekt stehen. Filmt ihr also beispielsweise das neue gebaute Kunstwerk des Sohnes, hilft ein kurzer Check mit den Händen, wo man den Pocket Skate aufstellen sollte. Hat man den Punkt gefunden, an dem die Linien zusammenführen, kann der Dreh auch schon losgehen. Natürlich hat die ganze Sache mit ausprobieren zu tun und somit wird dem perfekte Shot sicher die eine oder andere Fahrt vorausgehen.

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Holzplatte immer mit dabei?

Um möglichst viel aus dem Bild des Pocket Skaters herauszuholen, sollte man ihn stets auf glatten Oberflächen fahren lassen. Dazu gehören Tische oder gegebenenfalls Fußböden. Wer gerne draußen aufnahmen macht, sollte sich überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, ein nach belieben großes Stück Holz mit sich zutragen, um auch bei ungleichen Böden ein gutes Ergebnis zu erzielen. Problematisch wird es auf Flächen mit Löchern oder Fugen, da die Schlaglöcher im Bild sofort sichtbar sind und das Videomaterial unbrauchbar machen. Hierfür reichen leider schon kleine Ungereimtheiten im Boden. Wer seinen Cocktail für Instagram abfilmen möchte, sollte also alle kleinen Gedecke vom Tisch entfernen, um Bumps im Video zu verhindern. Selbst auf sehr glatten Oberflächen können sich Ruckler durch eine ungleiche Oberfläche einschleichen.

Problemlos in der Tasche zu verstauen

Ist der Dreh zu Ende, kann mit Hilfe einer Münze die Kamera wieder vom Pocket Skater 2 getrennt werden. Nun wird das Hinterrad als erstes wieder eingeklappt, ehe die beiden anderen Rädern wieder in ihre Ausgangsposition gebracht werden.Im Anschluss klappt man den FlexTilt Head wieder ein. Durch dieses System ist der Pocket Skater 2 wirklich sehr kompakt und findet in jedem Rucksack oder sogar der Handtasche Platz.

Leider kein Case verfügbar

Im Gegensatz zu den großen Slidern bietet Edelkrone kein Transportcase für den Pocket Skater 2 an. Wer das Dolly gerne mal unterwegs mitgeführt hätte, schaut somit gegebenenfalls in die Röhre. Selbstverständlich kann man den Skater auch ohne Case transportieren, muss aber dann mit etwaigen Gebrauchsspuren rechnen. Ich würde mir wünschen, dass Edelkrone hier nachlegt – die Bestellung eines solchen Cases wäre dem Hersteller mehr als sicher.

Teurer Instagram-Spaß?

Machen wir uns nichts vor: der Pocket Skater 2 ist unverschämt teuer. Mit knapp über 300 Euro könnte man sogar fast von unverschämt teuer sprechen. Dafür passt in Sachen Verarbeitung alles: das Gerät ist massiv, hochwertig und solange die Unterlage mitspielt, gelingen die Aufnahmen leicht – jedenfalls mit den entsprechenden Skills. Trotzdem sind 300 Euro erstmal sehr viel Geld, dass man erstmal aufbringen muss. Persönlich sehe ich wenige Käufer, die dazu bereit sind, so viel Budget in den Skater zu stecken.

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Gadget mit guten Aussichten

Haben sich meine hohen Erwartungen an den Pocket Skater 2 erfüllt? So genau kann ich das noch nicht sagen. Es ist viel mit dem Pocket Skater 2 möglich und ich habe sein Potential sicher noch nicht vollständig ausgenutzt. Es werden wohl noch einige Runden um Gadgets nötig sein, bis ich weitere Perspektiven und Atmosphären entdeckt und gelernt haben werde. Wer auch als Erwachsener sich gerade mal ein – viel zu teures – Spielzeug zulegen möchte, kann beim Pocket Skater nichts falsch machen. Bei 249 Euro ohne MwSt. sollte aber bei jedem die Vernunft einsetzen und der Warenkorb leer bleiben. Oder eben nicht: für insgesamt etwas über 300 ist der Pocket Skater 2 bei Edelkrone verfügbar.

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Über den Autor
Timm Mohn

Schreib- und Technikbegeistert. Freut sich über innovative Technik, kann Budget Smartphones nur bedingt ausstehen – WiFi Gadgets, wie die GoPro, umso mehr. Gründer von Nerdbench.com

  • Nebilon

    Sieht verdammt nett, aber leider auch sehr teuer aus.