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Philips PicoPix 3610: Beamer mit Android, WLAN und weiteren Extras

Philips PicoPix 3610: Beamer mit Android, WLAN und weiteren Extras

von Timm Mohn13. August 2015
 Mit dem Philips PicoPix 3410 haben wir bereits einen PicoBeamer von Philips getestet. Der kleine Projektor konnte uns dank guter Akkulaufzeit, kompakten Abmessungen und schickem Design gefallen. Unser heutiges Review-Gerät hebt sich von jenem dank Android, der Möglichkeit, einen DVB-T oder sogar 3G Stick anzuschließen von der Masse an handlichen Beamern ab. Ob uns das versprochene Leistungspaket auch überzeugen kann, erfahrt ihr nach dem Break.

Nerdbench bedankt sich bei Philips für die Leihstellung des PicoPix 3610


Der Lieferumfang
In der Packung des PPX3610 verstecken sich neben dem Netzstecker noch ein Mini-USB Kabel sowie HDMI auf Mini HDMI, um das Gerät beispielsweise mit einem Notebook zu verbinden. Philips legt eine recht dünne Tragetasche bei – wir raten allerdings dazu, sich die gepolsterte große Tasche dazu zukaufen. Auch wenn das Gerät über das Touchpad auf der Oberseite gesteuert werden kann, liegt eine Infrarot Fernbedienung bei. 


Die Technik
Obwohl der 3410 und 3610 baugleich sind, unterschiedet sich das Innere doch deutlich: im Inneren des PicoPix 3610 gibt es einen WLAN Empfänger, um das Gerät mit Apps zu befüllen. Auf dem Gerät läuft – das inzwischen etwas angestaubte – Android 2.3. Dank neuer Firmware lässt sich der Playstore nachinstallieren. Wie das geht, haben wir an dieser Stelle erklärt. Steuern lässt sich das Betriebssystem beispielsweise mit dem Touchpad auf der Oberseite. Dieses verfügt über 3 Funktionstasten: Home, Menü sowie Zurück. Wer lieber auf eine Tastatur setzt, kann diese am USB Port links nachrüsten – auf Bluetooth wurde leider verzichtet. Weiterhin befindet sich auf über der Linse noch ein Rädchen, um den Focus des PicoPix 3610 einzustellen. Leider gibt es keine Trapez-Korrektur, diese kann aber per Windows eingestellt werden.An der rechten Seite plaziert Philips den Powerbutton, der anders als beim 3410 länger zur Seite gedrückt werden muss, um das Gerät hoch- oder runter zufahren. Möchte man den Beamer mit einem AV Signal speisen, befindet sich der entsprechende Port auch rechts.

Die rechte Seite des PicoPix 3610 mit dem AV Jack

 

Im Batteriebetrieb ist die LED 60 Lumen stark (100 Lumen im Netzbetrieb)

 

Dank dem USB Port können USB Sticks oder Tastaturen angesteckt werden

Auf der Rückseite finden sich zahlreiche Anschlüsse (links nach rechts): hier wird zum einen das Netzkabel eingesteckt, um den 1.800 mAh Akku aufzuladen. Daneben befindet sich der Mini-USB Port sowie der Full-Sized SD Karten Slot. Was aussieht, wie ein normaler Mini HDMI Port kann sehr viel mehr: per entsprechendem (separat erhältlichen) VGA Kabel können auch ältere Rechner an den Philips PicoPix 3610 angeschlossen werden. Als letztes befindet sich auf der Hinterseite noch der Kopfhörer beziehungsweise Lautsprecher Ausgang. Wir nutzen in Verbindung mit dem Taschenprojektor am liebsten die passende Soundstation, welche am Boden des Gerätes angesteckt werden kann. Weiterhin befindet sich am Boden noch die Einlassung für eine Stativschraube, falls man das Gerät auf einem solchen Positionieren möchte (dies ist auch mit der Soundstation möglich). Der PicoPix 3610 ist 284 Gramm leicht bei einem Umfang von 105 x 105 x 31,5 mm. Zwar kann der Projektor Full-HD Inhalte wiedergeben, allerdings verfügt er selbst nur über eine Auflösung von 854 x 480 und ist somit weit entfernt von wirklichen HD Bildern. Der kleine Pocket Projektor schafft es laut Philips auf 305cm Bilddiagonale, also 120 Zoll Bildern. Das Kontrastverhältnis liegt bei 1000:1.

Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich viele Ports

 

An der Unterseite befindet sich der Port für die Soundstation

 

Auf der Oberseite kann das Gerät bedient und der Focus eingestellt werden

Auch wenn der PicoPix per Speicherkarte, HDMI Kabel oder aber auch USB-Stick mit Daten gefüllt werden kann: dem PPX3610 wurden 4 GB interner Speicher spendiert. Über die im PicoPix verbaute Hardware wie den Prozessor lässt sich kaum im Internet finden – wir haben aber mit CPU-Z dem PPX3610 alle wichtigen Daten entlocken können: angetrieben wird der PicoBeamer von einem Rocketchip RK2928 (Revision r3p2). Dabei handelt es sich um einen SingleCore Prozessor, welcher im 40 Nanomilimeter Verfahren gefertigt wurde. Dieser taktet mit 1,01 GHz. Das GPU kommt eine Vivante GC800 zum Einsatz. Dem Gerät stehen 296 (!) MB Ram zur Verfügung, von dem im normalen Betrieb nur etwa 110 MB übrig bleiben. Die Auflösung von 864×480 führt zu 160 dpi. Interessanterweise kommt das Gerät mit Root-Zugriff (!), was eine sehr seltene Sache bei Android Geräten ist. Etwas knapp bemessen ist der Speicher, der Andorid zur Seite steht: nur knapp 500 MB wird dem Betriebssytem zugestanden. Googelt man das Mainboard, so lässt sich schnell herausfinden, dass es für das rk29board schon Cyanogenmod 11 gibt – anlässlich der Leihstellung lassen wir hiervon aber die Finger.


Der Sound
Der interne Laustprecher reicht aus, um alleine – und möglichst ohne viel Abstand zwischen Projektor und Zuschauer – einen Film oder eine Serie zuschauen. Auch für die Hintergrund-Melodie oder Geräusche von Android-Apps geht der Speaker in Ordnung. Für jegliche weiteren Nutzungsszenarien, wie etwa ein Filmeabend mit Freunden oder eine Präsentation (mit Ton) empfiehlt es sich, die passende Soundstation von Philips zu nutzen oder aber einen externen Lautsprecher (wie die Jawbone Big Jambox).

Mit der Soundstation trägt der PicoPix 3610 auch einen Filmeabend


Das Bild
Wie schon beim PicoPix 3410  sind wir mit der Leistung des PicoBeamers sehr zufrieden. Aufgrund der begrenzten Lumenzahl muss der Raum zwar abgedunkelt werden, sobald es aber wirklich dunkel ist entfaltet der Projektor eine sehr gute Leistung: je weiter wir von der Wand nach hinten setzen, um so größer wird das Bild – dies lässt sich soweit ausdehnen, als das ein großer Seminar-Raum mit Bildern versorgt werden kann, ohne das wir etwas an dem projizierten Bild aussetzen können.Test.de merkt im Review an, das Bild würde bei weiterer Entfernung sehr dunkel, unserer Ansicht nach ist die Helligkeit in komplett abgedunkelten Räumen auch noch von weitem sehr gut.

Da sich PicoPix 3610 und 3410 in der Ausgabe gleichen, veranschaulichen wir die Qualität mit den Bildern des 3410. 
 

Umso weiter wir weggehen ….

 

… umso größer wird das Bild

 

Auch aus der hintersten Reihe können wir die Präsentation noch lesen (die Tafel stört das Bild allerdings, A. d. R)


Die Konnektivität
Mittels WLAN lässt sich der PicoPix zum Router oder Hotspot verbinden. In der Nerdbench Redaktion ist dies immer eine besonders spannende Sache, da das WLAN Signal eine Etage weiter unten funkt. Erfreulicherweise ist dies für den PPX3610 kein Problem: der Empfänger im Projektor ist stark genug, um sich mit dem Router zu verbinden. Der Projektor kann darüberhinaus einen Hotspot aufbauen, um sich mit dem Gerät zu verbinden und über DLNA  mit dem Smartphone connecten.

Mittels WLAN lassen sich beispielsweise YouTube Videos abspielen


Der Alltag
Der PicoPix 3610 schafft es ohne WLAN ähnlich wie der 3410 auf knapp 90 Minuten Laufzeit. Schaltet der Nutzer die drahtlose Verbindung ein, verringert sich die Laufzeit auf etwa 70 Minuten. Nutzt man den Projektor für eine Weile riecht man den Beamer-typischen Dunst aus Lüfter und Wärme: wir empfehlen etwas weiter weg von dem Gerät zu sitzen und bei kleinen Räumen diese zu belüften, damit die Umgebung nicht naserümpfend doch in Richtung Kino pilgert. Dieser Umstand ist nicht auf Philips zurück zuführen: auch unser großer Epson Projektor verbreitet diese Art von Luft. Ist man bisher keine Beamer aus nächster Nähe gewöhnt, dürfte dies aber zunächst störend auffallen.

Neben dem Geruch des Lüfters ist dieser auch zu hören: im normalen Modus sogar sehr deutlich. Spart man Energie, wird das Geräusch zwar leiser, zu vernehmen bleibt es allerdings. Schaut man eine Serie mit vielen leisen Momenten, sollte der Beamer lieber etwas entfernt stehen.


Das Betriebssystem
Auch wenn uns der Startbildschirm etwas anderes suggieren möchte: spätestens wenn man das Gerät herunterfahren möchte wird klar, dass nicht erst ab dem Menüpunkt „Android“ jenes Betriebssystem läuft: die erste Benutzerebene, der wir begegnen ist schlicht mit einem angepassten Launcher ausgestattet. Mit Android 2.3.1 ist der PicoPix natürlich weit abgeschlagen von dem heutigen Standard (4.4.4, KitKat) und es muss auf einige Anwendungen verzichtet werden, wie beispielsweise Google Keep, welches mindestens Android 4.0 erfordert.

Über das Menü navigieren wir uns zu Android, aber auch dem Digital TV Programm

Bereits vorinstalliert wurden auf dem PicoPix Yozo Office sowie eine App, um APKs auch ohne Playstore zu installieren. Im Selbsttest haben wir mal Antutu Benchmark versucht auf diese Art und Weise auf dem Gerät zu installieren, was sich schnell als nicht unbedingt bequem rausstellte. Durchlaufen haben wir Antutu Benchmark dennoch: das PicoPix kommt mit seinem SingleCore Prozessor auf 4.007 Punkte. Glücklicherweise ist man seit dem neusten Rom für den PPX3610 nicht mehr die angesprochene Art, Apps zu installieren, angewiesen: der Playstore lässt sich manuell nachrüsten (Anleitung).

Der Playstore verbessert das Gerät nur bedingt

Nerdbench wollte sich direkt im Playstore zu Simpsons Tapped Out navigieren, leider ist das Spiel – wie etliche andere Anwendungen – nicht mit dem PPX3610 kompatibel. Bei eingen Apps kommt es leider zu Darstellungsfehler, wie beispielsweise im Falle von Flappy Bird: auf dem PicoPix 3610 wird nur ein Teil des Spielbildschirms angezeigt, darüber hinaus lässt sich erkennen, dass der Prozessor des Beamers selbst mit jener App doch überfordert ist.


Die Steuerung
Selbst als Touchpad-Fanatiker muss hier eingestanden werden: das hier verbaute ist nicht wirklich überzeugend. Die meiste Zeit nutzt die Nerdbench-Redaktion eine Tastatur samt Touchpad oder die beiliegende Fernbedienung. Mit jener sind alle nötigen Funktionen des PicoPix 3610 probemlos zuerreichen. Wer weder auf die Fernbedienung noch das Touchpad zurück greifen möchte, lädt sich die kostenlose App aus dem AppStore herunter: in diesem Fall wird das Touchpad auf dem Smartphone angezeigt.  

 


Der Vergleich 
Unsere beiden Testgeräte, der 3410 (links) sowie 3610 (rechts) sind sich sehr ähnlich und unterscheiden sich dennoch in vielen Punkten: durch das Betriebssystem schafft es der PPX3610 noch ein Stück flexibler und leistungsfähiger zu sein. Hatten wir beim PPX3410 noch mit Android-TV Sticks ausprobiert, den Leistungsumfang des Gerätes zu erhöhen ist dies hier nicht mehr nötig. Gleichzeitig muss man natürlich bedenken, dass beide Geräte für unterschiedliche Käuferschichten produziert wurden: der PPX3410 eignet sich vom Funktionsumfang vorallem für schnelle Präsentationen, während WLAN und Android  zusammen eher den Entertainment Sektor ansprechen. Gleichzeitig liegen bei der Nerdbench alle wichtigen Dokumente immer in der Cloud, weswegen wir beim kleineren Modell durchaus die Berechtigung sehen, beim Nachfolger auch WLAN und eine Cloud-Einbindung einzubauen.

 

Beide Geräte nebeneinander


Das Zubehör
Wie bereits erwähnt gibt es für den PicoPix 3610 eine passenede Soundstation, welche mit zwei 2 Watt Lautsprechern daher kommt. Diese verfügt darüberhinaus über einen 3.600 mAh Akku, um dem Philips Beamer eine längere mobile Laufzeit zu ermöglichen. Außerdem schaltet der PicoPix in den 100 Lumen Modus, sobald die Soundstation angeschlossen ist: das Bild ist unterwegs somit so hell, wie im Netzbetrieb. Mit 270 Gramm und 105 x 105 x 32 passt sich die schwarze Variante perfekt in das Bild des PPX3610 ein. Unser komplettes Review gibt es an dieser Stelle

Wessen PC oder Notebook nicht über einen HDMI Port verfügt, dem bleibt nur übrig zum derzeit knapp 20 Euro teuren VGA Kabel samt Klinkenstecker zur Übertragung der Audiospur zu greifen. Auf Amazon wird dem Adapter zwar Funktion bescheinigt, die Nutzer regen sich aber über die Preis Politik seitens Philips auf und merken an, in Zukunft keine Produkte des Herstellers mehr zu kaufen. Gleichzeitig müssen wir fragen: Welcher PC verfügt den heutzutage nicht über HDMI? Inzwischen sollte sich VGA auf dem absteigenden Ast befinden.

Die Tragetasche (wohlklingend PPA4200 genannt) bietet Platz für den PicoPix selbst, ist (besser) gepolstert als die bereits im Lieferumfang erhaltene Tasche des PicoPix 3610. Darüberhinaus passt noch das Stromkabel sowie ein Ladekabel fürs Smartphone in die Tasche.


Das Fazit
Seine Hauptaufgabe, ein Bild an die Wand projizieren, erledigt der PicoPix 3610 zu unserer vollsten Zufriedenheit. Unserer Ansicht nach hätte man allerdings bereits bei dieser Version einiges anders machen müssen: Android-Funktionen stürtzen in der neusten Firmware-Version öfter ab, beispielsweise hängt sich die obere Leiste auf, drückt der Nutzer den Bereich bis kurz vor die Lautstärke-Tasten. Es steht zu erwarten, wir wollen es dennoch noch mal erwähnen: beim nächsten Modell darf es sich gern um eine flottere Hardware im Inneren sowie ein aktuelleres Android handeln. Außerdem dürften Passagen in Android wie „ist Netzwerkkonfiguration-bitte warten Sie“ als Satz besser übersetzt werden.Für die nächste Revision würden wir uns außerdem einen etwas leiseren Lüfter wünschen: in der jetztigen Ausführung ist dieser, vorallem wenn man nicht auf einen externen Lautsprecher setzt, gut während der Wiedergabe wahrzunehmen.

Andere Testberichte kritisieren stets die Untauglichkeit der PicoPix Serie für Filmfans – dem möchten wir vehement widersprechen: zwar kommt der PicoBeamer nicht mit der höchsten Auflösung daher, in normalen Räumen dürfte aber bei entsprechendem Signal kaum ein Otto-Normalverbraucher die Pixel zählen.

Optisch gefällt der Nerdbench der PPX3410 ein Stück besser als das schwarze PPX3610 Modell. Da sich die Projektoren-Leistung beider Geräte nicht unterschiedet, können Kunden selbst entscheiden ob sie mit dem kleineren Modell zwar auf Funktionen verzichten, dafür aber auch weniger Geld über die Ladentheke wandern lassen. Herausstehende Funktionen, wie etwa WLAN, machen den PPX3610 aber zu einer guten Investition.

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Über den Autor
Timm Mohn
Schreib- und Technikbegeistert. Freut sich über innovative Technik, kann Budget Smartphones nur bedingt ausstehen - WiFi Gadgets, wie die GoPro, umso mehr. Gründer von Nerdbench.com