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Die Angst etwas zu verpassen: FOMO über rollt die Welt

Die Angst etwas zu verpassen: FOMO über rollt die Welt

von Timm Mohn16. Februar 2015

Was erst mal nach einer neuen Spielzeug Kreation tönt, ist in Wirklichkeit eine Krankheit: FOMO, kurz für: Fear of Missing Out. Dabei handelt es sich um die Angst, dass andere Menschen mehr erleben als man selbst. Betroffene versuchen mehr Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, um nicht unter zugehen.

Karl lädt ein Bild von sich am Strand hoch, Lisa schickt mir ein 7 Sekunden langes Video auf Vine, Andreas posted seine Abschlusszeugnis. Ich lade mein Essen hoch. Im Vergleich zu unseren Freunden erscheinen die eigenen Errungenschaften manchmal winzig. Hat man früher nur den Leuten von seinen Erfolgen erzählt, die man persönlich traf, führen die Sozialen Netzwerke dazu, dass praktisch jeder weiß, wer was erreicht hat. Und nicht selten ist das, was andere erreichen besser; die Reiseorte sind schöner; der Job nach der Schule besser. Blickt man dauerhaft auf den Newsfeed der Freunde, können so Neid, Unsicherheit und nicht zuletzt Unzufriedenheit.

Man denke nur an einen ruhigen Abend zu hause, das Bier steht kalt, der Beamer läuft warm und Lovefilm lädt gerade noch den nächsten Action Kracher für heute Abend herunter. Auf dem Smartphone checkt man eben noch schnell die Statusupdates der Freunde und entdeckt: Ohne das einen jemand gefragt hat, haben die sich in der Kneipe fast direkt neben an getroffen. Während also das blaue Beamer Licht den Raum erhellt, schaut man selbst sprichwörtlich in die Röhre. Man verpasst etwas. Beängstigend, oder?

Aber seien wir ehrlich: jeder hat sich schon mal gefragt: verpasse ich gerade was? Und manchmal war die Antwort eben: ja! Während wir für Studium oder Ausbildung büffeln, oder dem Chef die versprochenen Überstunden ableisten, feiern Menschen gerade eine ordentliche Fete. Während wir gerade den Kater vom Vortag abschütteln bereiten sich andere Menschen gerade auf ihre Abschlussarbeit vor – und bestehen diese mit „flying colours“; die eigene Arbeit hingegen reicht gerade mal für den McDonalds Schalter.

Gerade unsere Generation, die Generation “Y” (Millennials), scheint von der neu aufblühenden Krankheit betroffen zu sein. Was die Generatio Y ist? Zu dieser Generation zählen alle Menschen, die ab dem Jahre 2000 als jugendlicher Gelten. Ja, wir gehören da auch dazu. Wir sind gut ausgebildet, besuchen Universitäten. Wir lieben Technik, arbeiten per Skype-Konferenz statt im echtem Team und mobile Kommunikation ist für uns kein neues Hexenwerk – wir sind damit aufgewachsen. Persönlich hatte ich 2004 mein erstes Smartphone – das Orange SPV. Wir sind selbstbewusst und optimistisch, zweifeln gerne an. Doch daneben gibt es noch eine weitere Generation: Die Generation „Chips“: Sie konsumieren zu viele Medien, ernähren sich einseitig und sind von der gesellschaftlichen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen – schließlich hat man anstatt zu lernen lieber Medien konsumiert.

Wir, die Millenials, checken unsere Emails direkt beim aufstehen – die WhatsApp Nachrichten Liste allein dauert 5 Minuten abzuarbeiten. In Zügen oder Bussen sieht man dauerhaft Menschen Nachrichten beantworten – von Freunden? Arbeitskollegen? Man weiß es nicht. Dennoch: Bleibt der Blick aufs Smartphone unerfüllt, der Vibrationalarm aus, die Benachrichtigungsleiste leer – man kommt sich ausgeschlossen vor.

Die Huffington Post stellt die Frage nach der Zukunft von FOMO. Es wird gemutmaßt, dass FOMO sich weiter ausbreiten wird und eventuell als offizielle Krankheit ausgeschrieben wird. Da Marken bei FOMO eine große Rolle spielen (bis vor kurzem waren die weißen Apple Kopfhörer noch ein Zeichen dafür, jemand besonders vermögenden, besser gestellten vor sich zu haben): Die PR Agenturen haben sicher eine große Frage auf ihrer Stirn: Sind wir es wert, dass man sich Sorgen macht, uns zu verpassen? – Man wird sich fragen, wie man den FOMO-Effekt auf sich selbst überträgt. Das klingt gefährlich. Ist es auch. Stellen wir uns einen FOMO-Index vor: auf einer Skala von 1-10: Wie sehr würde es dich verängstigen, das zu verpassen? Das „das“ kann in diesem Zusammenhang alles sein – von einem Bachelor Abschluss – bis hin zu einer Weltreise, aber auch eine Kneipentour durch die Stadt.

Und was passiert, wenn es eine neue Krankheit auf dem Markt gibt? Richtig: Irgendwer erfindet eine Medizin dafür – um diese zu heilen. Diese Medizin, Behandlung und/oder Therapie dürfte natürlich auch nicht ganz billig werden.
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Über den Autor
Timm Mohn
Schreib- und Technikbegeistert. Freut sich über innovative Technik, kann Budget Smartphones nur bedingt ausstehen - WiFi Gadgets, wie die GoPro, umso mehr. Gründer von Nerdbench.com