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HDC One 9299A: Lohnt sich der Kauf?

HDC One 9299A: Lohnt sich der Kauf?

von Timm Mohn13. September 2014
Mit dem One wollte HTC letztes Jahr einen echten Hit landen. Geholfen hat HTC das nur bedingt, die Zahlen des Konzerns blieben trotzdem Rot. Eventuell lag das auch am sehr hohen Preis des Flaggschiffes, den die Käufer wohl durch bisherige HTC Erfahrungen nicht mehr bereit waren zu zahlen. Ein weiteres Problem könnte natürlich sein, dass es aus Fernost sehr billige Imitate des teuren Smartphones gibt. Eine solche Kopie hat die Nerdbench Redaktion jetzt erhalten. Was das 160 Euro teure Smartphone kann und ob sich ein Kauf lohnt, erfahrt ihr nach dem Break.


Der Lieferumfang
In der Packung, die ebenso sehr an das HTC One erinnert, befindet sich ein Netzteil, sowie ein Headset, eine Schutzfolie für den Bildschirm und eine Anleitung. Das HDC verfügt über eine 1,600 mAh Batterie. Diese ist allerdings fest im Gerät installiert. Da wir hier bei Nerdbench echte Unboxer sind, haben wir allerdings diese Hülle aufbekommen. Geschafft haben wir das ohne Tools, nur mit den Fingern. 
Ein Blich ins Innere offenbart eine SD Karte
Dabei muss man allerdings Vorsicht walten lassen: Der Einschaltknopf sowie der Lauter- / Leiser Button könnten dabei verloren gehen.  Am besten merkt man sich auch direkt, wie rum sie im Gerät stecken. Damit erspart man es sich, wie Nerdbench das Gerät erneut aufmachen zu müssen. 
Die 4 GB SD Karte ist von Sandisk  (Class 4)
Im Gerät steckt noch eine 16 GB interne SD Karte, die der User nach Belieben austauschen kann (hat er das Gerät erst einmal offen).
In unserem Lieferumfang fehlte der Sim-Extractor. Diesen benötigt man, um eine MicroSim Karte in das One zustecken.

Als Sim-Extractor benutzen wir eine verbogene Büro-Klammer
Das Gerät
Beim HDC One handelt es sich um ein MT6589 QuadCore Smartphone mit 1,2 GHZ. Dazu gesellen sich 4 GB Rom und 1 GB Ram. An der Gerät Oberseite befindet sich dein Einschaltknopf sowie der Kopfhörer Eingang. Der Einschaltknopf ist wie auch beim Original dunkel schwarz. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen Infarot-Sensor. Im Gegensatz zu Apple Geräten befindet sich dieser auf der linken Seite des Smartphones. Das ist zunächst sehr ungewöhnlich und bedarf Umgewöhnung. Auf der  rechten unteren Seite befindet sich ein USB Port. Am Geräterand rechts finden wir wie beim Original die Lauter- und Leisewippe. Auf der linken Seite können wir die Sim-Karte verschwinden lassen. Nach den Erfahrungen mit dem Pomp W99 war die Redaktion sehr vorsichtig und hat die Sim-Karte mit Adapter nur sehr zaghaft eingesteckt. Wir konnten erfreulicherweise allerdings keine Probleme feststellen. Ein Blick auf die Frontseite des Gerätes zeigt uns 2 Lautsprecherboxen – wovon allerdings nur eine echt ist. Über der unteren Lautsprecher-Box befinden sich der Zurück-, Home- und Menü Button. Diese sind nicht beleuchtet und nur zu ertasten in der Nacht. Im oberen Kopfhörer befindet sich eine LED mit verschiedenen Farben, die zuverlässig bei eingegangen Nachrichten leuchtet. Daneben gesellt sich eine 1,8 Megapixel Front Kamera. Diese wird auf der Rückseite von einer 8 Megapixel Kamera unterstützt – das sagt zumindest Antutu Benchmark und die Rückseite selbst. In der vorinstallierten Kamera-App kann man jedoch nur 6 Megapixel auswählen. Neben dieser Kamera sitzt der sehr magere LED Blitz.

Die Unter- und Oberseite. Nur der Lautsprecher oben ist echt!
Das One von Vorne – ohne Logos des Vorbildes
Das HDC ist fest eingeprägt in der Plastikrückseite
Die Seiten des HDC Ones 
Eine wirklich beeindruckende Sache ist aber das OTG Feature des USB Ports. Dieser unterstützt nicht nur USB Sticks sondern auch HDMI. Wir konnten es noch nicht gut testen, da sich das Kabel ständig wieder aus dem Gerät löste. Wir werden diesen Artikel updaten, sobald wir darüber mehr wissen.
Die Partitionen
Die meisten Chinaphones kommen mit schlecht partitionierten Speichern: Es gibt ein Gigabyte für Apps und 2 Gigabyte für andere Sachen. Uns war es wichtig, diesen Fehler direkt zu beheben. Unser One kam gerooted, deswegen war der erste Schritt für uns nicht nötig: Erhält mein Gerät ohne Root muss man nur dieses Archive herunterladen und ausführen. Ein Reboot später ist das Gerät gerooted. Danach installiert man per „MobileUncle“ die CWM Recovery und nach einem weiteren Reboot ist man bei der letzten Notwendigen Installation angekommen, dem „Metoes MTK Tool“. Das Tool bietet verschiedene Optionen, wie man sein Gerät partitionieren möchte. Es wird auch geschildert, welche Größen zu empfehlen sind ohne sein Gerät im schlimmsten Fall zu einem Briefbeschwerer zu machen.

Unsere neue Aufteilung des Speichers
Wir haben die App-Partition auf 1,5 GB erweitert und somit ein vernünftiges Verhältnis von 1,5 zu 1,2 Gigabyte. Im ersten Durchlauf, kurz bevor wir unser Gerät zu einem teuren Briefbeschwerer machten, wählten wir 2,5 GB. Das führt zu einer mickrigen zweiten Partition, die uns sehr schnell bitter aufstieß. Deswegen hat Nerdbench sich für die 1,5 Gigabyte Lösung entschieden, die durchaus ausreicht. Nach dem man die Partitionsgröße gewählt hat forderte einen das Programm auf, in die Recovery zu booten. Gesagt getan- wenig später führt Nerdbench dort einen Factory Wipe durch und löscht den Dalvik Cache.

In den meisten Anleitungen hierzu findet sich der Hinweis, dass man das Gerät davor backupen soll um es  danach wiederherstellen zu können. Nerdbench hatte nach diesem Vorgang ein totes One vor sich. Erst nachdem wir das Ganze wiederholten und auf die Wiederherstellung verzichteten, lebte unser One wieder. Dabei verlor unser One die IMEI (wir mussten schließlich das Gerät mit einem anderen, bei „needrom“ gefundenen, Rom flashen). Diese haben wir über „MobileUncle“ wiederhergestellt. Sollte man sie nicht per Hand eintippen wollen, empfiehlt sich ein Backup – das auch über „MobileUncle“ möglich ist.
Der Prozessor
Im HDC One tickt ein MediaTek Prozessor – genauer gesagt ein MT6589. Dabei handelt es sich um einen Cortex A7 Prozessor, der mit  1,2 Ghz taktet. Auf dem Chip vereint ist die ARM CPU, die PowerVR 5XT GPU und ein Wireless Modem Chip. Die PowerVR kann Full HD wiedergeben und aufnehmen bei 30fps. Das Modem auf dem MT6589 verfügt über HSPA+ sowie Dual Sim. Dem aufmerksamen Leser ist bereits aufgefallen, dass das One allerdings nur ein Single Sim Gerät ist. Da hat man sich wohl zu Gunsten des Designs gegen den eigentlich bei den Chinesen sehr beliebten zweiten Slot entschieden. Der Prozessor unterstützt zur Freude von Nerdbench Miracast Technologie und natürlich Wireless Lan N, sowie Bluetooth 4.0, GPS und sogar FM Radio – wobei wir letzteres noch nie wirklich mit unserem Smartphone verwendet haben.  Während wir uns über den MT6589 schlau machten lasen wir immer wieder, dass der Prozessor nicht nur ordentlich Kraft mitbringen soll, sondern auch Energie effizient sein soll.  Das werden wir natürlich ausführlich testen.

                  

Antutu Benchmark kommt auf 13350 Punkte. Im Vergleich mit anderen Geräten, vor allem seinen großen Vorbild – dem HTC One -, verliert unser Klon.
Das Display
Die Nerdbench Redaktion liebt das Display des HDC Ones. Mit unseren bisherigen Displays kann es das HDC One locker aufnehmen. Das 4,7 Zoll Display bietet eine Auflösung von 1280 mal 720 und darüber hinaus sehr schöne Betrachtungswinkel, die vor allem das xTouch ausstechen, aber auch das Pomp W99. Egal was wir auf dem HDC One starten, es sieht einfach unheimlich gut aus: Filme, Spiele – auch die alltäglichen Apps.
Auch die neue Enterprise sieht im Trailer sehr gut aus

Die Gaming Performance
Mit unserem Springfield haben wir das xTouch an den Rand der Verzweiflung gebracht: es stockte hier, es hing da. Kein Wunder, denn der DualCore MTK6577 ist schließlich nicht der leistungsstärkste Prozessor. Mit dem MT6589 sollte das anders werden. Dennoch blieben unsere Erwartungen enttäuscht: Beim Intro von Minion Rush stockt das Spielvergnügen immer wieder und auch im Spielverlauf wird das nicht zwangsläufig besser. Wir sind vom großen Bruder des Prozessors, dem MT6589T, sehr viel flüssigere Performance gewöhnt, als das, was uns das One hier liefert.
Die Minions kommen manchmal durcheinander
Auch in anderen Bereichen müssen wir Abstriche machen: der DS Emulator „Drastic“ stürzt regelmäßig ab, wenn wir in der App auf Menü gehen. Dies passiert weniger oft, wenn man die Menü-Taste des Ones drückt und lässt sich somit vermeiden. Unser einziger Trost: Die App wird nur geschlossen, nicht beendet. Ist man also gerade deswegen rausgeflogen, kann man dem Punkt wo das Spiel kurzzeitig beendet wurde weiter machen. Woran dies liegt, konnten wir nicht heraus finden. Es passiert bei unterschiedlichen Versionen des Emulators.
Ein Druck auf den Pfeil nach oben und Drastic verabschiedet sich
Spiele wie Asphalt 8 tauchen im Market leider gar nicht erst auf. Hier ist es eventuell hilfreich, an der Build.prop herum zuspielen, aber das ist definitiv eine Sache für einen späteren Blog-Eintrag.
Der Sound
Wer unseren Artikel in der vergangenen Woche gelesen hat, weiß, dass das HDC One von uns per „Engineer Mode“ um einiges Lauter gemacht wurde. Das ist auch bitter nötig: Der (eine) Lautsprecher ist fast schon unverschämt leise und in der Öffentlichkeit fast zu überhöhen. Gerade die (beiden) Lautsprecher sind beim Vorbild von HTC sehr viel besser gelungen.
Manchmal kaum zu hören: der Lautsprecher
Auch sind wir nicht mit der Qualität des Lautsprechers für Telefonate zufrieden (sollten das überhaupt unterschiedliche Lautsprecher sein): Das Gegenüber klingt blechern und zu leise, in lauten Umgebungen wird man voraussichtlich Probleme haben, das Gegenüber zu verstehen.
Auch mit dem Tweak sind wir nur bedingt mit der Lautstärke zufrieden. Hier würde ein Upgrade wohl gut tun. Mit der Audio-Ausgabe über Kopfhörer sind wir allerdings vollkommen zufrieden: Nerdbench hat direkt den Bass Verstärker im Options-Menü eingeschaltet und erfreut sich einem sehr schönen Sound über die Kopfhörer.
Die Konnektivität
Das One bietet mit Bluetooth, Wireless Lan und GPS alle nötigen Connections, die wir im Alltag brauchen und nicht mehr missen wollen. Der Wireless Lan Empfang ist für die Größte des Gerätes sehr gut und übertraf unsere Erwartungen, nach dem wir von einem 5 Zoll Gerät eher unbegeistert und enttäuscht waren. Wir können in allen Bereichen der Redaktion mit Wireless Lan surfen, auch wenn das Wlan manchmal aussetzt. Dies passiert vorallem, wenn man gerade in einen ganz anderen Bereich der vier Wände wechselt. Nach kurzem Reconnect ist die Verbindung allerdings wieder da.
Problemlos gepaart: Das HDC One und Veho 360BT
Die Kamera
Ein wirklich großer Schwachpunkt des Gerätes ist die Kamera: Diese kann weder im Hellen noch im Dunkeln wirklich überzeugen. Der „Blitz“ ist nicht viel mehr als eine Benachrichtigungs-LED.
Wirklich ein sehr trübes Bild: Keine schönen Aussichten mit dem HDC One
Im HDR Modus: zwar kräftiger, aber trotzdem unscharf
Wer hier die Teile eingebaut hat gehört entlassen und mit Berufsverbot belegt. Wir hier bei Nerdbench können nicht nachvollziehen wie man ein Gerät, das uns bisher sehr überzeugt hat, mit der Kamera so in Dreck ziehen kann. Für den Otto-Normal User kann das definitiv ein No-Go sein. Die Kamera erhält eine glatte 6 von Nerdbench und zieht den Schnitt des HDC Ones sehr runter.
Was uns noch sehr viel mehr stört
Ja, es gibt eine Sache – die treibt Nerdbench in den Wahnsinn: Nehmen wir an, unser Smartphone muss schnell noch mal ein paar Prozent Akku tanken und wir schalten es deswegen aus, so schaltet sich das Display nie wirklich beim Laden ab. Somit verbraucht man stets Energie, auch wenn das eigentlich nicht nötig wäre. Diese Einschränkung ist vollkommen sinnlos und leuchtet uns nicht ein. Eventuell handelt es sich hierbei nur um einen Bug, dennoch ist dieser sehr störend.
Wir haben keine Erklärung, warum ein Programmierer das für eine gute Idee hielt

Das Fazit:
Für 160 Euro ist das das HDC One eine recht ordentliche Smartphone Alternative. Ein vollwertiges Smartphone erhält man allerdings auch schon für weniger Geld – ohne, dass es sich dabei um einen Klon handelt. Möchte man trotz alledem  die Optik eines HTC Ones mit auf die Straße nehmen, ohne dafür 300 Euro und mehr für die Mini oder 500 Euro und mehr für die große Edition zu bezahlen, so ist man beim HDC One genau richtig gelandet. Allerdings müssen klare Abstriche bei der Kamera und der Performance gemacht werden, die man vor allem bei Spielen deutlich merkt. Für den Auflade Bug würden wir uns einen Fix wünschen, doch allzu große Hoffnung hat Nerdbench nicht: Für das bereits vor mehreren Monaten erschienene HDC One gibt es kaum Costum Roms, außer in einem russischem Forum. Das HDC One scheint wohl gegen die Samsung Klone nichts ausrichten zu können: Für diese gibt es oft Costum Roms.
Bleibt in der Redaktion: das HDC One
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Über den Autor
Timm Mohn
Schreib- und Technikbegeistert. Freut sich über innovative Technik, kann Budget Smartphones nur bedingt ausstehen - WiFi Gadgets, wie die GoPro, umso mehr. Gründer von Nerdbench.com