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FPVfactory G3: Warum man sich keine billigen GoPro Klone kaufen sollte

FPVfactory G3: Warum man sich keine billigen GoPro Klone kaufen sollte

von Timm Mohn3. September 2014

Die Nerdbench hat sich vor einigen Wochen mit der GoProHero 3+ auseinander gesetzt. Die Tage ist nun eine ähnlich, deutlich billigere Klon-Variante in der Redaktion eingetroffen: die FPVfactory G3. Direkt in der Artikel-Überschrift (Banggood-Link) wird damit geworben, dass die Kamera in Zubehör des Originals passt. Warum es trotzdem keine gute Idee ist, sich einen Klon – insbesondere diesen – zu kaufen, erfahrt ihr nach dem Break.

Nerdbench bedankt sich bei GoPro für die Bereitstellung
der GoPro Hero 3+,
sowie bei Banggood für die FPVfactory G3
Der Lieferumfang
Betrachten wir einmal unsere ausführliche Darstellung des Lieferumfangs der GoPro: bei keinem anderen Gadget haben wir bisher so viel Platz im Testbericht auf den Lieferumfang veranschlagt. Dies wird in diesem Review nicht der Fall sein. Neben der Kamera selbst finden wir noch ein MiniUSB sowie Video Kabel vor.

Der Lieferumfang der G3

 

Zum Vergleich: der Lieferumfang der GoPro

Während wir uns zunächst noch über das (wenigstens) englische Anleitungsheftchen der G3 freuten, kam jenes mit bemerkenswerten Tipps daher: durch hohe Geschwindigkeiten (beim abspeichern, nehmen wir mal an) könnten unsere Dateien wieder gelöscht werden. Das ist natürlich leicht unpraktisch.

Wir haben uns das nicht ausgedacht!

Das Design

Die Probleme fangen meist bereits beim Design der Klone an: nehmen wir unsere G3 das erste mal in die Hand fällt direkt auf, dass die Action Kamera ohne die
GoPro-typischen Buttons auskommt. Das hat zur Folge, dass selbst wenn man die passenden Gehäuse zu Hause liegen hat oder kauft, die Kamera sich nicht mit dem Case bedienen lässt. Fotos unter Wasser sind somit nicht möglich – schließlich müsste man hierfür die Kamera heraus nehmen. Ein Video muss gestartet werden bevor man die Kamera einsetzt. Ein weiterer Minus Punkt der G3: die Schnittstellen liegen offen – sollte doch einmal Wasser in das Gehäuse eintreten ist die Kamera deutlich schneller nur noch ein Briefbeschwerer, als es bei der GoPro der Fall wäre.
Die Unterschiede beider Kameras sind deutlich zu sehen

 

Links die G3 – rechts die GoPro Hero 3+

 

Der Foto/Video Modus wird bei der G3 mit dem M-Button ausgewählt

 

Bei der G3 (links) sind die Anschlüsse nicht abgedeckt

 

Beide Unterseiten sind leer
Die GoPro (rechts) hat links einen WLAN Button

 

Die Rückseite der G3 ist verschlossen – der Akku nicht austauschbar
Die Technik (G3)
Gute Frage eigentlich – was ist in der G3 so verbaut? Während die GoPro Hero 3+ mit eindeutigem White Sheet daher kommt schweigt man sich zumindest bei Banggood über das Innenleben aus. Die Herstellerseite hingegen gibt mehr Aufschluss: so ist der Akku 1.100 mAh stark, es wird mindestens eine 8 GB Class 10 SD Karte empfohlen. Der Kamerachip kommt mit… ja, mit wie viel Megapixel daher? Dazu lässt sich erstmal keine Antwort finden – nur, dass Videos in 1080p aufgenommen werden. Etwas weiter gegoogelt erfahren wir schließlich: 5 Megapixel. Laut den Dateiinfos unserer Beispielbilder speichert die G3 Fotos mit 2592×1944 Pixeln ab – der Nutzer hat keine Möglichkeit die Auflösung zu beeinflussen – Serienbilder (3 Stück) sind aber möglich. Die Kamera verfügt über eine f/1.8 Blende.
Die Funktion
Unsere FPVfactory G3 sieht der GoPro zwar zum verwechseln ähnlich (Unwissende bemerken den Unterschied nur in zwei von 6 Fällen!), schaltet man die Kamera an beginnt aber der Unterschied: Zum einen verbaut FPVfactory keinen Speaker für Signaltöne (für Power On/Off oder ein- und ausschalten) zum anderen ist die recht kleine LED unvorteilhaft positioniert: drückt man den Auslöser wird die LED verdeckt, sodass der Nutzer nicht sieht, ob man nun ein Foto gemacht hat oder nicht bzw. der Aufnahme Prozess bereits beendet ist oder eben nicht – die LED gehört ohne Signalton eindeutig in die Mitte der Oberseite. Während man den Akku der GoPro Hero 3+ austauschen kann, ist die Rückseite der G3 zugeschraubt. Geht der Akku der Kamera also kaputt ist die Cam auch defekt.Während die Kamera sich problemlos mit unserem MacBook Pro verbindet, werden unter Windows keine passenden Treiber gefunden. Weder hat die Kamera
ein detailliertes Display (außer dem Modus, in dem sich die Kamera befindet wird nichts weiter angezeigt), noch kommt sie mit WifFi oder ähnlichem daher – das
heißt alles, wofür wir die GoPro samt App lieben (beispielsweise das Datum umstellen
ohne tausendfach zu klicken) muss hier über die Knöpfe geregelt werden. Das
wäre nicht schlimm, wäre da nicht….
Das Handling
Es ist schon erstaunlich, wie fest man die Buttons der G3 drücken muss, um den Modus zu wechseln. Während die GoPro recht einfach zu bedienen
ist, wird für jenen Butten bei der G3 schon fast rohe Gewalt nötig. Auch der Rest der G3 kann nicht überzeugen: mit noch müden Augen (warum klingeln Postboten eigentlich so früh?) drückte ich ausversehen die SD Karte falsch in das Gerät, sodass die Karte wenige Momente später nur noch Schrott war.  Bei der GoPro ist dies nicht möglich: der Slot bietet viel schneller mehr Widerstand, sodass der Nutzer seinen Fehler bemerken kann. Auch Firmware Updates laufen deutlich einfacherer mit der GoPro selbst: während man das (zugegebenermaßen) teurere Vorbild per App aktualisieren kann (und nicht den Umweg über den PC [GoPro Anleitung] gehen muss), ist es bei der G3 notwendig, das Update auf eine SD Karte zu kopieren und die Kamera einzuschalten. Nach dem Update wird das Firmware Update von der G3 nicht gelöscht, sondern muss manuell vom Nutzer von der Karte entfernt werden.
Die Bildqualität
Mit der GoPro Hero 3+ Black Edition lassen sich einfach gute Bilder erstellen. Auch wenn die Action-Kamera nicht hauptsächlich als Foto-Cam gedacht ist, verwenden (erstaunlich!) viele Menschen die GoPro als solche. Dieses Verhalten ist sicherlich im Preis der GoPro begründet: die Action Kamera kostet aktuell 369 Euro (EU Variante 390 Euro) auf Amazon. Bei diesem Price Tag kann schon mal eine weitere Kompakt-Kamera außerhalb des Budget liegen. Die Nerdbench ist mit der G3 sowie der Hero 3+ von GoPro durch Mainz gelaufen und hat Vergleichsbilder geschossen. Die nachfolgenden Fotos zeigen, dass die G3 oft einen Farbstich im Bild aufweißt und vorallem nicht mit einem so großen Weitwinkel-Bereich (GoPro Hero 3+: f/2.8) daher kommt. Bereits während wir die ersten Fotos machten fiel auf, dass die Kamera ohne Smartphone-Anbindung schwer einzuschätzen ist: was wird nun auf dem Bild zu sehen sein und was nicht? Halte ich die Kamera überhaupt richtig?
Das Foto ist uns mangels Orientierung nicht gut gelungen

Während die GoPro auch ins Wasser abtauchen und der Nutzer dort Bilder machen kann, bleibt G3 Besitzern nur die Option Videos anzustoßen, die G3 ins Case zu packen und ins Wasser abzutauchen. Die Reihenfolge bei unseren Beispielbildern ist stets: FPVfactory G3 gefolgt von der GoPro Hero 3+.

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition
Mit der GoPro gehts auch Unterwasser

 

GoPro Hero 3+ unter Wasser
Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition
Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition
Und wieder geht es mit der GoPro…

 

… unter Wasser

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition
Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

 

Beispielbild PFVfactory G3 (Näher am Brunnen)

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition (Näher am Brunnen)

 

Beispielbild PFVfactory G3

 

Beispielbild GoPro Hero 3+ Black Edition

Fairerweise müssen wir zugeben, dass uns die Bilder G3 bei Nacht überrascht haben: sie weisen zwar einen eindeutigen Rot-Stich auf – während die GoPro näher an der Realität ist -, dennoch ist nicht von der Hand zuweisen, dass die Kopie alles versucht aus der Bildsituation heraus zu holen. Den Rotstich sieht man bereits bei Tagesaufnahmen, insbesondere der Mainzer Dom wird völlig verfälscht wieder gegeben (auch am Staatstheater zu sehen). Insbesondere bei den nahe am Brunnen geschossenen Fotos lässt sich der große Unterschied im Weitwinkel Modus erkennen.

Das Zubehör
Beispielsweise das Case der GoPro Hero 3+ passt zwar um die G3, allerdings lassen sich mit jenem keine Buttons bedienen. Auch auf der Hersteller-Seite wird die billige „Action“ Cam nicht mit einem passenden Case dargestellt – hier wird im Gegensatz zum Angebot von Banggood  eine augenscheinlich für die GoPro konzipierte Hülle mitgeliefert (während unsere G3 ohne Case daher kam!). Die Bedienung unter Wasser ist somit ausgeschlossen. Ein weiterer Punkt der nicht außeracht gelassen werden darf: mangels Case wird das Objektiv der G3 dauerhaft der Umwelt ausgesetzt – Kratzer landen somit direkt auf der Kamera und nicht einer etwaigen Hülle. Auf Banggod gibt es ein Sport-Zubehör Pack für 30 Euro. Vielleicht ist das der Grund, warum unsere G3 ohne Hülle daher kommt – so kann man natürlich auch Geld machen (erfreulicherweise wurde bisher (Stand 03.09.2014) erst ein Set verkauft).
Die PFV G3 im Housing der GoPro
Das Preis- / Leistungsverhältnis 
Um es ganz klar zu sagen: wir sind uns des Preises (aktuell knapp 69 Euro + Versand sowie Einfuhrsteuer) der G3 bewusst. Das schützt das Produkt allerdings nicht davor, von uns genau auseinander genommen und kritisiert zu werden. Im Grunde liefert FPVfactory eine recht solide Kamera für 70 Euro ab – allerdings vermisst sie alles, was eine Point-of-View Kamera ausmacht: ohne Case muss die Kamera in der Hand getragen werden und kann nirgends angebracht und fixiert werden. Im Grunde bedeutet das für den Käufer, dass es bei den 70 Euro – mangels Stativ Fuß am Boden der Kamera – unmöglich bleibt. Im Grunde werden also noch 28 Euro für ein Gehäuse plus Versandkosten fällig. Um die Kamera dann an etwas zu befestigen, muss der Käufer noch die nötigen Adapter kaufen sowie ggf. eine GoPro Schraube. Inzwischen dürften wir bei etwa 120 Euro oder mehr angekommen sein (wir empfehlen unter anderem die GoPole, aber auch Chesty).Das alte Sprichtwort „Wer billigt kauft, kauft zwei mal“ scheint sich einmal mehr zu bewahrheiten: mit der G3 kann der Käufer nur unzufrieden sein – Bildqualität (die ist wirklich nicht schlecht, siehe oben) hin oder her; wenn es nötig ist nach dem Kauf noch mal die Hälfte oder mehr an Kaufpreis für Zubehör auszugeben um die Kamera richtig nutzen zu können macht das misstrauisch, ob man sein Geld wirklich richtig investiert hat. Im Fall der G3 lässt sich leicht sagen: nein, hat man nicht. An dieser Stelle garantieren wir, dass die Kamera – ohne Zubehör – spätestens nach zwei, drei mal damit herumspielen in der Ecke vergammeln und nicht mehr angerührt werden wird. FPV Factory wirbt mit dem Umstand, dass Käufer der G3 50 % ihres Geldes bei 95 % der Funktionalität einer GoPro sparen, wenn sie sich die billige Kopie kaufen. Das ist eine glatte Lüge: die WiFi Funktion (und die damit verbundene Funktionalität!), austauschbare Akkus und die viel detaillierte Display-Anzeige machen weit mehr als 5 Prozent des Gesamt-Paketes aus. Wer trotzdem – warum auch immer –  zur PFVfactory G3 greifen möchte, kann diesem Wunsch an dieser Stelle (Banggood Link) nach gehen. Wir raten vom Kauf der G3 ab – stattdessen sollte man lieber ein paar Wochen mehr sparen und zum Original greifen: GoPro auf Amazon kaufen (Partner Link)
– man wird es nicht bereuen.
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Über den Autor
Timm Mohn

Schreib- und Technikbegeistert. Freut sich über innovative Technik, kann Budget Smartphones nur bedingt ausstehen – WiFi Gadgets, wie die GoPro, umso mehr. Gründer von Nerdbench.com