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Jawbone UP im Test: E-Health kann auch schick sein

Jawbone UP im Test: E-Health kann auch schick sein

von Timm Mohn6. August 2014
In den letzten Tagen hat sich Nerdbench neben der WiFi Waage Aria auch den Fitness Tracker Flex von Fitbit angeschaut. Das Flex hat einige Konkurrenten auf dem Markt, so auch das UP von Jawbone. Beide haben allein schon mit Blick auf das Datenblatt unterschiedliche Vor- und Nachteile: Während das Flex sich über Bluetooth mit dem Smartphone verbinden kann hält das UP wesentlich länger durch. Wir hatten die Gelegenheit, uns den Fitness Tracker von Jawbone einmal genauer anzuschauen.

Der Lieferumfang
Der Fitness Tracker kommt in einer kompakten Verpackung. Darin  steckt unser Exemplar der UP sowie der Ladeadapter für den Klinkenanschluss. Trotz des stolzen Preises des Fitness Trackers verzichtet Jawbone auf ein USB Netzteil. Wir halten es allerdings für wahrscheinlich, dass in jedem Smartphone Haushalt ein solches bereits vorhanden sein sollte – zudem kann man den Ladeadapter auch an den PC schließen.

 

Das Podest kann man auch gut als Ladestation nutzen
Der erste Eindruck
Von Jawbone hatte Nerdbench noch nie etwas gehört – bis sie im vergangen Jahr das UP – erneut – vorstellten. Erneut deswegen, da es bereits im Jahr zu vor, allerdings nicht in Europa, auf den Markt gebracht wurde aber aufgrund vieler Fehler wieder zurück auf den Designer-Tisch wanderte. Bisher vornehmlich für Bluetooth Headsets bekannt stieg man bei Jawbone ins Fitness Geschäft ein – und das im zweiten Anlauf äußert erfolgreich: das UP wirkt nicht nur auf Produkt-Fotos schick, denn auch als wir unser Test-Exemplar auspacken wirkt das UP wie ein Schmuckstück. Beim ersten Hands-On wird schnell klar wo die Technik des UPs sitzt: die Oberseite ist im Gegensatz zum unteren Bereich des Armbandes wenig flexibel.

 

Das Armband wirkt sehr schickt
Im oberen Teil sitzt die Technik

 

Unsere UP war bereits zu 30 % geladen und deswegen direkt einsatzbereit. Beim ersten Anlegen bemerkt man die Jawbone deutlich als Fremdkörper – dies legt sich aber mit der Zeit. Ein passender Vergleich wäre eine Armband Uhr, ohne die man sich irgendwann umgangssprachlich ausgedrückt „nackt fühlt“, hat man sie einmal vergessen: der Nerdbench Redakteur Sven lies das UP bedingt durch einen Ladevorgang in der Redaktion liegen – wenige Minuten später fiel ihm panisch auf, das etwas fehlte. Hier ist natürlich etwas Gewöhnungspotenzial gefragt – wer sich allerdings den Fitness Tracker von Jawbone ins Haus holt war sicherlich bereits im Vorfeld auf Veränderungen eingestellt.
Auch am Arm macht das UP eine gute Figur
 

Das Band hat eine gummierte Oberfläche, die sich sehr gut am Handgelenk anfühlt. Leider verzichtet der Hersteller auf einen echten Verschluss: das UP wird um den Arm gewickelt und verrutscht leicht beim Wechseln von Kleidung. Auf Amazon.de sind auch Erfahrungen niedergeschrieben von Usern, die ihr Armband schlicht verloren haben – uns ist das glücklicherweise noch nicht  passiert. Auch der Rest des UP wirkt gut verarbeitet. Etwas skeptisch betrachten wir die Klappe des Klinken-Anschlusses; mit der Hoffnung diesen nicht zu verlieren. Erfreulicherweise sitzt diese Klappe zumindest am Anfang sehr feste.

Wir hoffen darauf, die Klappe noch eine lange Zeit zubehalten

Etwas schade finden wir das Jawbone auf ein kleines Anzeigefeld ähnlich wie bei der Fitbit Flex verzichtet: Um herauszufinden, wo wir gerade bei unserem Tagesziel stehen, müssen wir das Armband mit dem Smartphone verbinden.  Das allein reicht leider immer noch nicht, um die Daten wirklich angezeigt zubekommen: zunächst müssen die Ergebnisse zum UP-Server hochgeladen werden – erst dann werden sie auf dem Smartphone Display angezeigt.

Die Größen
Das UP gibt es in drei verschiedenen Größen: S, M sowie L. Um abzumessen, welche Variante am besten zu einem passt, stellt der Hersteller eine Grafik zur Verfügung. Vor dem Kauf des Armbandes sollte man sich also unbedingt ein Lineal zu Rate ziehen und mit der Empfehlung von Jawbone abgleichen.

 

Die Anleitung wurde uns von Jawbone zur Verfügung gestellt

 

Die technischen Daten
Nerdbench hat sich die größte Version des Armbandes geholt: L – damit bringt das UP etwa 23 g auf die Waage. Neben dem Armband selbst trägt noch ein Drei Achsen Bewegungssensor zum Gewicht dazu.  Selbstverständlich ist auch eine Batterie an Board die dank dem Verzicht auf Bluetooth trotz dem zunächst gering klingendem Wert für eine lange Akklaufzeit sorgen soll: 32 mAh stark ist die Batterie. Dazu gibt es noch einen Hardware-Button zum umschalten der Modi und 2 mehrfarbige LEDs, um den Nutzer den aktuellen Modi des Bandes zu verraten. Während die eine LED ein Mond darstellt, kann die zweite als Blume oder Sonne gedeutet werden. Wir von Nerdbench haben uns für die Sonne entschieden. Wer schon immer mal sehen wollte, wie es in dem UP-Armband aussieht, der kann sich beim YouTube-Nutzer EEVblog ein Teardown Video anschauen. Der YouTuber hat ein kaputtes Armband zugesendet bekommen und dieses auseinander genommen – das Video ist gleichzeitig unsere Quelle zur Batterie-Stärke.

 

 

Dank dem Video wissen wir nun auch, dass sich in dem UP ein Texas Instruments MSP430 befindet, mit 128 KB Flash Speicher, 8KB RAM welcher speziell auf batterieschonende Prozesse zugerecht geschneidert wurde. Mehr Informationen zum Prozessor gibt es hier. Laut der Info zum Speicherchip verfügt das UP über 8 Megabyte Speicherplatz. Aufgrund des Teardowns gehen wir davon aus, dass der Endverbraucher sein UP nicht selbst reparieren kann.

 

Die Kombinationen
Das UP hat verschiedene Modi, die über den Button des Armbandes eingegeben werden können. Einmal gedrückt, zeigt der Fitness Tracker an, ob der Nutzer das UP gerade im Wach- oder Schlafmodus trägt. Letzteres wird per mondförmiger LED angezeigt. Hat der Nutzer das Armband bereits geweckt so zeigt das UP eine Sonne an. Der Modus wird gewechselt, in dem man den Button etwas länger drückt. Soweit, so einfach. Da am Jawbone nur ein Button vorhanden ist, wird dieser für alle Eingaben genutzt – somit muss man einmal kurz und sowieso einmal lange drücken um dem Fitnesstracker bewusst zu machen, dass es nun im Trainingsmodus  operieren soll. Um nach dem Training (Nerdbench würde sich natürlich nicht ohne Sport auf die Couch wagen!) eine kleine Verschnaufpause einzulegen drückt man zweimal kurz und direkt darauf gefolgt einmal lang. Alle Kombinationen können in der Hilfe der Anwendwenung eingesehen werden.
Der Einzige Button der UP
Die App
Ein wichtiges Kriterium bei einem Gadget, das ausschließlich mit dem Smartphone funktioniert, ist die Anwendung dazu. In dieser können wir beispielweise intelligente Alarme einschalten, aber auch die Stopp-Uhr. Der smarte Alarm sorgt dafür, dass der Vibrationsmotor des UP den Nutzer zur perfekten Zeit aufweckt. Stellt der Nutzer beispielsweise 5.30 als gewünschte Uhrzeit ein während er  dem UP freistellt, ihn bis zu 30 Minuten zuvor zu wecken, entscheidet das Band, zu welchem Zeitpunkt der User bereits so wach ist, als dass er nun möglichst problemlos aufgeweckt werden kann. Sollten in diesem Moment Zweifel bestehen, ob der Vibrationsmotor des UP wirklich in der Lage ist, den Nutzer aus dem Schlaf zu holen, so sei gesagt: Das Fitnessarmband hat auch die Langschläfer der Redaktion geweckt.

 

Die App ist kostenlose im PlayStore verfügbar

 

Nach einem anstrengenden Tag in der Redaktion, auf der Arbeit oder in der Uni kommt nichts gelegener als ein kleines Nickerchen: hier können wir unteranderem das Armband entscheiden lassen, wie lange unser Schlaf sein soll. Um sicher zu gehen, dass es das UP nicht zu gut mit uns meint, können wir eine maximale Schlafzeit einstellen.

 

Bei der kurzen Einrichtung müssen wir ein Benutzer-Konto anlegen
Dazu gehören auch persönliche Daten
Kaum ist dies geschehen werden die Dateien hochgeladen

 
 

Schon bei dem Flex ist es uns oft passiert, dass wir einfach vergessen haben, das Gerät in den Schlaf zu klicken – mit dem UP passiert uns das nicht weniger oft. Über die App können wir Schlaf- aber auch Aktivitätsphasen (wie Beispielsweise Training) nachtragen.
Der erste Datenabgleich wäre geschafft

 

In der App kann der Nutzer abspeichern, was er am Tag zu sich genommen hat: egal ob es sich dabei um Getränke oder Nahrung handelt: Jawbone hat hierfür eine Datenbank angelegt. Ärgerlicherweise können wir zwar eingeben, was wir getrunken haben und wie viel davon, die App zeigt uns allerdings nicht an, wie viel wir am Tag insgesamt getrunken haben. Verbraucher, die größtenteils auf Fertigprodukte setzen, haben es hier einfach: um beispielsweise Tüten-Suppe  von Maggi einzugeben genügt es, einfach den Bar-Code des Gerichts einzuscannen und schon weiß die UP-App, was man zu sich genommen hat.

 

Der Barcode unserer Bohnen wurde erkannt
Auch Getränke werden problemlos erkannt

 

Ein wirklich nettes Feature ist die Inaktivitätsfunktion des UP: hier wird auch der faulste Nerdbench Redakteur in einem Zeitraum zwischen 2 Stunden und 15 Minuten daran erinnert,  dass er sich mal wieder bewegen sollte. Erfreulicherweise zählt der Fitness Tracker Tippen nicht als Bewegung, sodass wir durch eine Vibration daran erinnert werden, doch mal wieder vom Schreibtisch aufzustehen.
Die zusich genommen Portion ändert man per Touch-Eingabe

 

Darüber hinaus ist die App das Tor zu Community. Hier ist es uns möglich, Teams mit anderen UP Usern zu bilden und ein Tagebuch zu führen: Haben wir ein ordentliches Work-Out hinter uns, tragen wir ein, dass wir „total erledigt“ sind. Hat man ein Team gebildet ist es jedem in der Gruppe möglich, diesen Eintrag zu kommentieren. Mit der Team-Bildung schwingt auch etwas Selbstoffenbarung mit: Gruppenmitglieder geben Schlaf- und Wachphasen sowie eventuell mehr über die eigene Unsportlichkeit preis, als ihnen das eigentlich lieb wäre – glücklicherweise ist es dem User Möglich einzustellen, was mit den Teammitgliedern geteilt werden soll.

 

Hat einen das Armband nicht überzeugt, kann man es einfach löschen

 

Hat einen das Armband trotz unseres Reviews und einem eignen Tests nicht überzeugt, besteht die Möglichkeit, seinen Jawbone UP Account zu löschen – das ist wichtig, schließlich werden mit Hilfe des UPs viele Daten gespeichert, die man gegebenenfalls nicht gerne mit jedem teilen möchte.

 

Die Connection
Verbunden wird das UP nur über den eingebauten Klinkenstecker – weder Bluetooth noch USB stehen dem Gerät zur Seite; über selbigen wird der Fitness Tracker auch geladen. Das hat gleich mehrere Nachteile: zum einen ist der Deckel des Klinkenanschlusses unter Umständen schnell verloren, zum anderen kann der Klinkenstecker selbst im schlimmsten Fall auch abbrechen. Der verzichtet auf Bluetooth hat allerdings auch Vorteile, denn
Verbunden wird die Jawbone UP nur per Klinkenanschluss
Die Akkulaufzeit
… ist eindeutig besser als bei Konkurrenten mit Bluetooth: Bis zu 7 Tage hielt unser UP durch. Das ist ein beachtlicher Wert – vor allem wenn man bedenkt, dass der Fitness Tracker bereits nach circa 80 Minuten wieder voll aufgeladen ist. Während dem Ladevorgang leuchtet die Sonnen-LED rot. Im Anschluss wechselt diese ihre Farbe in grün, sobald das UP geladen worden ist. Die LED geht erst aus, nimmt der User das Gerät aus dem Ladegerät. So fallen zwar jede Woche 80 Minuten Aufzeichnung weg, dies halten wir allerdings für verschmerzbar. Nutz man die Vibrationsalarm häufiger, verkürzt sich die Akkulaufzeit etwas.

 

Ans Ladegerät muss das UP nur selten

 

Wirklich schön wäre es gewesen, hätte Jawbone eine Option zum Laden per Klinkenanschluss am Smartphone eingebaut. Darauf verzichtete man leider – der Fitness Tracker kann nur per mitgelieferten USB Kabel aufgeladen werden. Selbstverständlich könnte man hier argumentieren: würde die Jawbone jedes Mal geladen, wenn man sie ans Smartphone steckt, würde das den Akku gegebenenfalls schneller kaputt machen, als es einem lieb wäre – gleichzeitig können wir uns einen simplen Button in der App vorstellen, der dem Nutzer die Entscheidung überlässt: Möchten sie jetzt laden? Ja, Nein, Frag mich nicht mehr; sowie die Möglichkeit, dass die App sich die Entscheidung merkt. Vielleicht liest Jawbone ja diese Zeilen und leitet die Idee an die Entwickler weiter. Wir hätten da auch eine Konto-Nummer, falls diese Lösung ein durchschlagender Erfolg ist.

 

Das Fazit
Das UP von Jawbone lässt uns mehr über einen selbst erfahren: Wie viele Schritte gehe ich am Tag? Wie entwickelt sich meine Fitness? – all dies erledigt das schicke Fitness Armband ohne Probleme. Dazu sieht es richtig gut aus und liegt gut am Armgelenk. Schon nach wenigen Momenten ist das Fitness-Armband vergessen und fällt spätestens im Verlauf einer Woche gar nicht mehr auf – außer es fehlt. Bereits nach vier Wochen intensivem Testen gehört das Armband fest zur Grundausstattung. Zwar verfügt das UP über kein Display, kann aber per Vibration den Nutzer daran erinnern, sich mal wieder etwas zu bewegen. Ohne die App würde man das UP wahrscheinlich für einen normalen Schrittzähler halten – doch die gelungene Anwendung verwandelt das Armband in ein Multifunktionales Tool, das mit der Zeit lernt. Für die Zukunft würden wir  wünschen, dass man die sicher kreativen Designer  und Entwickler von Jawbone an einer Lösung arbeiten lässt, wie man eine stromsparend Bluetooth Connection hinbekommen kann.
So schnell wird das UP nicht mehr verpackt

 

Wirklich gut gefällt Nerdbench, dass die App die Daten mit, MyFitnessPal, RunKeeper, IFITT sowie MapMyFitness  und weiteren Anwendungen teilen kann. Tracker wie der Withings Pulse mögen zwar eventuell genaueren Daten erfassen wie das UP – allerdings lassen sie sich auch leichter verlieren – hier sieht Nerdbench den großen Vorteil von Gadgets wie dem Flex oder der UP. Mit dem Fitness Tracker von Jawbone kann man die Übersicht über die eigene Sportlichkeit erlangen – und diese verbessert. Durch kleine Tipps in der App wird auch die Lebensweise des Users verbessert. Solange man sich auf das UP einlässt, kann das Fitness Armabdn viel im Nutzer erreichen – aber auch hier verhält es sich wie bei vielem: um wirklich es etwas zu verändern, muss man auch etwas verändern wollen; und den Willen – den kann nur der Nutzer selbst mitbringen. Derzeit ist das Fitness-Armband für etwa 120 Euro in schwarz oder  blau und verschiedenen Größen wie L, M oder S  auf Amazon verfügbar.

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Über den Autor
Timm Mohn
Schreib- und Technikbegeistert. Freut sich über innovative Technik, kann Budget Smartphones nur bedingt ausstehen - WiFi Gadgets, wie die GoPro, umso mehr. Gründer von Nerdbench.com